FDP Hattersheim fordert Denkmalschutz mit Augenmaß – lokale Beispiele zeigen Reformbedarf

Beim gestrigen Stammtisch „Frei gesprochen“ der FDP Hattersheim stand ein Thema im Mittelpunkt, das viele Bürger bewegt: der Denkmalschutz und seine Auswirkungen auf konkrete Projekte vor Ort. Ausgangspunkt der lebhaften Diskussion war ein aktueller Beschluss der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag zur Reform des Denkmalschutzes. Ziel des Vorstoßes ist es, den Schutz wieder stärker auf tatsächlich schützenswerte Objekte zu konzentrieren und Verfahren zu verschlanken.
„Denkmalschutz ist wichtig – aber er darf nicht zur Dauerbremse für sinnvolle, bezahlbare Lösungen werden“, machte Norbert Reichert, Ortsvorsitzender der FDP Hattersheim, deutlich. „Wir erleben in Hattersheim immer wieder, dass gut gemeinter Schutz in bürokratische Endlosschleifen mündet.“
Was läuft schief? Beispiele aus Hattersheim
Mainquerung an der Schleuse Eddersheim
Die Staustufe und Schleusenanlage in Eddersheim stehen unter Denkmalschutz. Aus Sicht der FDP trägt dies maßgeblich dazu bei, dass eine praktikable Mainquerung im Bereich der Schleuse seit Jahren nicht vorankommt.
„Die Schleuse ist zweifellos ein historisch bedeutendes Bauwerk. Aber wenn wir deshalb keinerlei zukunftsfähige Mobilitätslösung entwickeln können, läuft etwas falsch“, so Reichert.
„Alter Löwe“ (Propsteihof) in Eddersheim
Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex „Alter Löwe“ (Propsteihof) zeigt aus Sicht der FDP exemplarisch, wie Denkmalschutz moderne Nutzungen erschweren kann. Pläne für eine zeitgemäße Nutzung – etwa im Bereich Kinderbetreuung oder für bürgerschaftliche Angebote – konnten bislang nur sehr eingeschränkt realisiert werden, weil die historische Bausubstanz enge Grenzen setzt.
„Hier sehen wir, wie wertvolle Gebäude zwar erhalten bleiben – aber faktisch nur schwer für die heutigen Bedürfnisse der Stadt nutzbar sind“, kritisiert Reichert.
Schokoladenviertel: Sperrung am Sarotti-Schornstein
Im Schokoladenviertel ist der Bereich rund um den ehemaligen Sarotti-Schornstein seit längerem gesperrt. Die Stadt hat wiederholt nachgehakt, doch das denkmalrechtliche Verfahren kommt nur schleppend voran.
„Für Bürger und Gewerbetreibende ist das kaum nachvollziehbar. Sicherheit ist wichtig – aber Entscheidungen müssen irgendwann auch getroffen werden“, sagt Reichert.
Stadthalle Hattersheim – hohe Kosten durch Denkmalschutz
Auch bei der Sanierung der Stadthalle hat der Denkmalschutz erheblich zu den gestiegenen Kosten beigetragen. Die denkmalgerechte Restaurierung, verbunden mit modernen Brand- und Energiestandards, hat das Projekt deutlich verteuert.
„Aus unserer Sicht ist ein erheblicher Anteil der rund 15 Millionen Euro Sanierungskosten den denkmalrechtlichen Auflagen geschuldet. Das zeigt, wie wichtig klare und praktikable Regeln wären“, so Reichert.
Klare Position der FDP Hattersheim
Die FDP Hattersheim fordert einen Denkmalschutz mit Augenmaß:
- klarer Fokus auf wirklich schützenswerte Objekte
- schnellere Verfahren
- mehr Handlungsspielraum für Kommunen
- pragmatische Lösungen statt Stillstand
„Schutz ja – aber nicht um den Preis von Blockade und Stillstand“, fasst Reichert zusammen.
Link zur FDP-Initiative: https://fdp-hessen.de/beschluss/reform-des-denkmalschutzes
