Freiraum und Anspruch – warum gute Bildung beides braucht

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Die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf hat den Deutschen Schulpreis 2026 gewonnen. Besonders interessant ist für uns, was hinter dem viel beachteten selbstständigen Lernen der Gesamtschule steht: klare Strukturen, gemeinsame pädagogische Ziele, systematische Beobachtung der Lernentwicklung und gezielte individuelle Förderung.

Die Auszeichnung zeigt: Freiraum und Leistungsanspruch sind keine Gegensätze. Ebenso wenig wie Wohlbefinden und Leistung oder Wissensvermittlung und Kompetenzorientierung.

Selbstständigkeit braucht ein Ziel

Das Thema Bildung haben wir zuletzt auch bei unserem Stammtisch „Frei gesprochen“ diskutiert. Nach den PISA-Ergebnissen ging es dort vor allem um die Frage, wie klare Lernziele, individuelle Förderung, Struktur und Eigenverantwortung zusammengebracht werden können.

Die Bertha-von-Suttner-Schule liefert dazu ein interessantes praktisches Beispiel.

„Selbstständiges Lernen bedeutet nicht, dass Anforderungen verschwinden. Kinder können unterschiedliche Wege gehen – aber es muss klar sein, wohin diese Wege führen sollen. Dazu gehören Rückmeldung, Förderung und auch die Erwartung eigener Anstrengung“, sagt Norbert Reichert, Vorsitzender der FDP Hattersheim.

Genau darin liegt für uns eine wichtige Erkenntnis aus der aktuellen Bildungsdebatte. Statt erneut nur über PISA-Ranglisten zu sprechen, sollten wir uns stärker mit der Frage beschäftigen: Was müssen wir besser machen?

Die ausgezeichnete Schule verbindet klare Lernziele und verlässliche Strukturen mit individueller Unterstützung und zunehmend mehr Eigenverantwortung. Gerade unterschiedliche Startbedingungen sind kein Grund, die Erwartungen abzusenken. Sie sind ein Grund, früher und gezielter zu fördern.

Warum damit erst in der Schule anfangen?

Für Hattersheim wird die Diskussion spätestens an diesem Punkt ganz konkret. Als Träger eigener Kindertagesstätten kann die Stadt bereits lange vor der Einschulung wichtige Grundlagen legen.

Besonders deutlich wird das bei der Sprache. Wenn sprachliche Defizite erst in der Schule auffallen, sind wertvolle Jahre verloren. Besonders wichtig ist eine frühe Sprachförderung für Kinder, die zu Hause wenig oder kein Deutsch sprechen. Entscheidend sollte dabei aber der tatsächliche Förderbedarf des einzelnen Kindes sein.

Dazu brauchen wir bereits in der Kita klare Entwicklungsziele, eine vernünftige Entwicklungsbeobachtung und gezielte Sprachförderung.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, aus der Kita eine Schule zu machen oder neue Test- und Dokumentationsberge zu produzieren.

„Förderung funktioniert nur, wenn wir wissen, wo ein Kind steht und wohin wir mit ihm wollen. Das gilt in beide Richtungen: Wir müssen erkennen, wo ein Kind Unterstützung braucht – aber auch, wo wir ihm schon mehr zutrauen können“, so Reichert.

Freiheit und Struktur gehören zusammen

Die Bertha-von-Suttner-Schule zeigt für uns vor allem, dass vermeintliche Gegensätze keine sein müssen: Freiheit und Struktur, Leistung und individuelle Förderung, Chancengerechtigkeit und Anspruch gehören zusammen.

Selbstständigkeit entsteht nicht dadurch, dass Erwartungen verschwinden. Ein modernes Bildungssystem darf Kindern unterschiedliche Wege ermöglichen. Es sollte dabei nur nicht vergessen, dass diese Wege auch irgendwohin führen sollen.