Wärmeplanung und Hitzeschutz – am Ende hängt vieles am selben Netz
Die FDP Hattersheim begrüßt, dass mit der kommunalen Wärmeplanung ein Gesamtbild der zukünftigen Wärmeversorgung der Stadt entsteht. Für die Liberalen zeigt sich dabei vor allem eines: Die eine Wärmelösung für ganz Hattersheim wird es nicht geben.
„Wärmenetze können dort eine wichtige Rolle spielen, wo sie technisch und wirtschaftlich sinnvoll betrieben werden können. In anderen Teilen der Stadt werden individuelle Lösungen wie Wärmepumpen entscheidend sein“, erklärt Norbert Reichert, Vorsitzender der FDP Hattersheim.
Auch die Abwärme der Hattersheimer Rechenzentren bietet Chancen. Entscheidend sei jedoch nicht allein, wie viel Wärme theoretisch zur Verfügung steht. Sie müsse auch wirtschaftlich zu den Verbrauchern transportiert und gegebenenfalls mit Wärmepumpen auf das erforderliche Temperaturniveau gebracht werden.
Damit rückt aus Sicht der FDP eine Infrastruktur besonders in den Mittelpunkt: das Stromnetz.
„Wir diskutieren über Wärmepumpen, Elektromobilität, Photovoltaik, Speicher und zunehmend auch über die Kühlung von Gebäuden während heißer Sommer. Am Ende hängt vieles am selben Netz“, so Reichert.
Wie konkret die Frage der verfügbaren elektrischen Leistung bereits heute ist, zeigt für die FDP auch die Praxis. In einer größeren Hattersheimer Wohnanlage können zusätzliche Wallboxen mit 11 kW aufgrund der vorhandenen Anschluss- beziehungsweise Netzkapazität nicht ohne Weiteres realisiert werden.
„Das ist kein Beleg dafür, dass wir überall in Hattersheim ein Netzproblem haben. Es zeigt aber sehr anschaulich, dass Elektrifizierung nicht allein dadurch funktioniert, dass wir immer mehr elektrische Verbraucher vorsehen. Die notwendige Leistung muss am jeweiligen Standort auch tatsächlich zur Verfügung stehen.“
Die FDP regt deshalb an, die kommunale Wärmeplanung eng mit der weiteren Entwicklung des Stromnetzes zu verzahnen. Gemeinsam mit dem Netzbetreiber müsse frühzeitig geklärt werden, wo durch Wärmepumpen, Wärmenetze, Ladeinfrastruktur und weitere elektrische Verbraucher zusätzliche Leistungsbedarfe entstehen und welche Netzverstärkungen dafür erforderlich sind.
„Wir dürfen Wärmeplanung, Ladeinfrastruktur und Stromnetz nicht als getrennte Themen behandeln. Am Ende hängen sie am selben Kabel“, fasst Reichert zusammen.
Bei weiteren Wärmequellen wie Geothermie oder Flusswärme setzt die FDP auf Technologieoffenheit, aber auch auf wirtschaftliche Vernunft. Technische Machbarkeit allein sei noch kein ausreichender Grund für große kommunale Investitionen. Investitionskosten, Wirtschaftlichkeit, Folgekosten und Betriebsrisiken müssten transparent betrachtet werden.
Für die Bürger sei außerdem wichtig, den Wärmeplan richtig einzuordnen. Ein auf einer Planungskarte dargestelltes mögliches Wärmenetz bedeute noch nicht, dass dieses Netz tatsächlich gebaut werde oder zu einem bestimmten Zeitpunkt vor der eigenen Haustür liege.
„Die Wärmeplanung zeigt uns nicht die eine Lösung für Hattersheim. Sie zeigt vielmehr, dass wir unterschiedliche Lösungen ermöglichen müssen. Die gemeinsame Grundlage für viele davon ist eine leistungsfähige elektrische Infrastruktur. Deshalb muss der Ausbau des Stromnetzes eine der zentralen Infrastrukturaufgaben der kommenden Jahre sein“, so Reichert abschließend.
